Es ist Zeit für eine linke Union

Gerade wird ein Zusammenschluss von SPD und Linkspartei herbeigeredet. Eine Option bleibt dabei völlig außen vor: eine linke Union. 

Sie nennen sich „die Wahre SPD“: Eine Gruppe älterer Genoss*innen, die das Andenken an die Agenda 2010 bewahren wollen, für die sie gekämpft haben. Sie wollen damit ein Thema zementieren, dass die SPD von der Linkspartei trennt. Aber nicht nur das: Hartz IV, wie die Agenda 2010 landläufig genannt wird, trennt auch die SPD von ihrem Wähl*innern. Diese Entfremdung hat sich bei den Europawahlen wieder gezeigt: Die einst so stolze Partei, die 2002 noch 38,5% im Bund holte, hat fast zwei Drittel ihrer Stimmen eingebüßt. Vorbei sind die Zeiten der Volkspartei. 

Nun werden Rufe laut, die Sozialdemokratie müsse gerettet werden. Ein Vorschlag, den u.a. Daniel Cohn-Bendit in der taz ventilierte, ist ein Zusammenschluss: Endlich, ja endlich sollten SPD und USPD, KPD und SPD usf. wieder vereint werden, um eine starke, eine schlagkräftige linke Partei zu bilden und dem Konservativismus die Stirn zu bieten. Er sieht die wiedervereinigte Sozialdemokratie bei 20% der Wählerstimmen – und hat damit vermutlich gar nicht mal so unrecht. Mit 20% ist man heute schon fast Volkspartei. 

Es muss nicht gleich die Ehe sein

Aber warum muss es gleich eine Fusion sein? Die Union aus CDU und CSU macht seit 70 Jahren vor, wie es auch gehen kann: Als Union zweier eigenständiger Parteien, als gemeinsame Wahlliste und Fraktion. 

Wahllisten sind rechtlich schwierig in Deutschland, aber Die Linke hat aus der Zeit vor dem Zusammenschluss Erfahrungen damit. Es bedarf immer einer Partei, die ihre Listen öffnet. Was es dafür braucht: Vertrauen. Das ist schwierig herzustellen, lohnt sich aber allemal. 

Eine linke Union hätte einen entscheidenden Vorteil: Es wäre wieder klar, wen man wählen muss, wenn man das Soziale stärken muss. Denn das verbindet SPD und Linke: ein starkes Primat des Sozialen (auch, wenn das einige in der SPD vergessen haben). Man nimmt sich keine Stimmen mehr weg, denn man stimmt immer für beide. Klar: Das kann auch ein paar Stimmen kosten. Aber der Stimmenzuwachs würde das mehr als ausgleichen. 

Jenseits von Kohle und Marx

Einen weiteren Vorteil hätte dieses Bündnis: Beide Parteien könnten ihre Identitäten bewahren. Wenn man gern Marxexegese betreibt und seine Haltungen damit begründet, bleibt man in der Linken gut aufgehoben. Wenn man lieber andächtig an Kohle und Stahl denkt, aber trotzdem gern regiert kann man Mitglied in der SPD bleiben. 

Die Schnittmengen zwischen den einzelnen Flügeln sind oft größer als das Trennende. Und auch linke Sozialdemokraten, die sich seit jeher zur Linkspartei hingezogen fühlen (und ja auch in Massen übergetreten sind), müssten nun nicht mehr mit dem Übertritt hadern. Realpolitisch gesinnte Linksparteiler könnten endlich regieren – mit 20% ist die Chance darauf wesentlich größer als mit 8%. 

Folgt Fusion auf Union?

Natürlich könnte die Union eine Vorstufe einer späteren Fusion beider Parteien sein – aber sie muss es eben nicht sein. Ob sich beide Parteien weiter annähern oder ob ein dauerhaftes Wahlbündnis auf Dauer fruchtbarer ist, kann die Zukunft zeigen. 

Natürlich müssen wir verzichten, damit die Welt sich ändert

Der Markt wird es schon regeln, sagt Christian Lindner. Die Politik soll es regeln, sagen die Anderen. Und wir ruhen uns darauf aus und sagen: Das Flugzeug wäre auch ohne mich geflogen. Aber die Welt wird sich nicht ändern, wenn wir nicht bereit sind, zu verzichten. 

5 Beispiele, bei denen das aber gar nicht so einfach ist:

  1. Essen

Ohne Fleisch werd‘ ich nicht satt. Schliesslich braucht der Körper was Richtiges, nicht nur Beilagen. Wie soll man sonst an die dringend benötigten Eiweiße her bekommen? Essen muss Spaß und satt machen – Bauch, keine Bauchschmerzen. Gut, der Cholesterinspiegel und der Arzt schaut auch immer skeptischer von Jahr zu Jahr. Aber lieber eine Fettleber als ein Hungerhaken. 

2. Fliegen

Am Wochenende nach Barcelona? Geil! Und von Berlin nach Köln geht es mit Germanwings auch viel schneller als mit der tuckelnden Bahn durch blühende Landschaften. Fliegen geht einfach schneller. Und Zeit hat niemand mehr. Na gut: Das ewige Warten an der Sicherheitsschleuse und am Gate, die Einschränkungen beim Handgepäck und die engen Sitze, das gibt es schon. Richtig produktiv nutzen kann man die gewonnene Zeit dann auch nicht. Aber es geht noch immer schneller, gerade im Inland.

 3. Autofahren

Individualverkehr ist praktisch. Man kommt von A nach B, braucht nicht umsteigen. Und seien wir mal ehrlich: In der U-Bahn ist es warm, wenn es regnet riecht es, und das ewige Gedränge nervt schon. Dann doch lieber im Auto im Stau stehen (Durchschnittsgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs in Berlin: 24km/h), das Radiofeuilleton hören, und über den zu langsam anfahrenden Vordermenschen fluchen. Dass die Radfahrer an einem vorbeiziehen, stört nur marginal. Für das echte Berufsverkehrserlebnis ist man gern eine Stunde länger unterwegs am Tag! 

4. Plastik

Diese Leute mit ihren Jutebeuteln: Wo nehmen sie die nur ständig her? Man müsste sie ja immer dabei haben, um auch einmal spontan einkaufen zu können. Ausserdem ist vieles sowieso in Plastik verpackt, dagegen kann man einfach nichts machen. Die Plastiktüte am Obststand oder für den Döner gehören einfach dazu. Wie soll man frische Ware denn sonst transportieren?

5. Kaffee

Der Kapitalismus fordert immer mehr Leistung von uns. Und Leistung braucht vor allem eins: Kaffee. Und der muss schnell gemacht sein. Nicht umsonst sind Senseo und Tassimo so erfolgreich. Und der Kaffee schmeckt auch einfach! Gut, dadurch entsteht eine Menge Müll. Aber bevor andere Zubereitungsarten nicht ebenso schnell und komfortabel sind, gibt es einfach keine Alternative!

Verzichten ist gar nicht so einfach. Aber vielleicht ist es doch leichter, als man denkt – wenn man nur sein Denken ein wenig ändert. 

Kevin kennt Alternativen

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